September 9, 2026

Online-Glücksspiel ohne österreichische Lizenz: Können Spieler ihre Verluste zurückfordern? [Rechtsanwalt Wien]

Online-Glücksspiel ohne österreichische Lizenz: Können Spieler ihre Verluste zurückfordern? Rechtsanwalt Wien

Rechtsanwalt Wien: Viele Spieler wissen nicht, dass sie ihre Verluste aus Online-Casinos unter Umständen zurückbekommen können – und zwar nicht nur symbolische Beträge, sondern auch hohe Summen. Wer in Österreich wohnt und bei einem ausländischen Online-Anbieter ohne österreichische Lizenz spielt, bewegt sich rechtlich auf sehr unsicherem Terrain – allerdings nicht nur zu seinem Nachteil.

Rechtsanwalt Wien

Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH vom 25.06.2025, 9 Ob 64/25i) bestätigt eindrucksvoll: Einsätze bei nicht konzessionierten Online-Casinos können grundsätzlich zurückgefordert werden. In dem entschiedenen Fall ging es um mehr als 100.000 Euro. Zur Entscheidung

Typischer Fall: Online-Casino, schnelle Verluste, hohe Summen

Online-Glücksspiel ist jederzeit verfügbar, anonym, schnell – und kann sehr teuer werden. Ein in Österreich wohnhafter Mann eröffnete bei einem Glücksspielanbieter mit Sitz in Curaçao ein Spielkonto. Der Anbieter hatte keine österreichische Lizenz, war also in Österreich nicht konzessionsrechtlich zugelassen.

Innerhalb weniger Wochen, zwischen 12.10.2023 und 4.12.2023, setzte der Spieler große Beträge auf verschiedene Glücksspiele:

  • Black Jack
  • Roulette
  • Slots/Automatenspiele

Unter Berücksichtigung von Auszahlungen, die er später wieder verspielte, verblieb am Ende ein Verlust von insgesamt 106.590,34 Euro.

Der Spieler klagte den Anbieter auf Rückzahlung. Die Gerichte erster und zweiter Instanz gaben ihm Recht und verurteilten den Anbieter zur Rückzahlung der gesamten Verlustsumme. Der Anbieter versuchte sich dagegen mit einer außerordentlichen Revision an den Obersten Gerichtshof zu wehren – ohne Erfolg.

Was hat der OGH entschieden?

Der Oberste Gerichtshof hat im Verfahren OGH vom 25.06.2025, 9 Ob 64/25i zwei wesentliche Punkte klargestellt:

  • Der Antrag des Anbieters, das Verfahren zu unterbrechen und auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in einem anderen Verfahren (C‑440/23) zu warten, wurde abgewiesen.
  • Die außerordentliche Revision des Anbieters wurde zurückgewiesen, weil keine rechtlich erhebliche Frage vorlag. Die Entscheidungen der Vorinstanzen blieben damit bestehen – der Anbieter musste den Verlustbetrag von über 100.000 Euro zurückzahlen.

Für betroffene Spieler ist nicht nur das Ergebnis wichtig, sondern auch die Begründung: Der OGH bestätigt seine gefestigte Linie, dass verlorene Einsätze bei verbotenen oder nicht lizenzierten Glücksspielen zurückgefordert werden können.

Warum dürfen Spieler Einsätze aus illegalem Glücksspiel zurückfordern?

Das österreichische Glücksspielrecht beruht auf einem Konzessionssystem. Vereinfacht bedeutet das:

  • Nur bestimmte, konzessionierte Anbieter dürfen in Österreich Glücksspiele anbieten.
  • Online-Glücksspiele ohne österreichische Konzession sind grundsätzlich unzulässig.
  • Diese Regeln dienen nicht nur dem Fiskus, sondern vor allem dem Spielerschutz.

Die Rechtsprechung des OGH ist seit Jahren klar: Werden in Österreich verbotene oder nicht konzessionierte Glücksspiele angeboten und nimmt ein Spieler daran teil, sind die zugrunde liegenden Verträge rechtlich problematisch. Die geleisteten Einsätze können in vielen Fällen zurückgefordert werden. Juristisch gesprochen kommt es zur Rückabwicklung der Zahlungen.

Wichtig ist dabei:

  • Der Spielerschutz steht im Vordergrund. Das Gesetz soll verhindern, dass Spieler in unkontrollierten Systemen erhebliche Vermögen verlieren.
  • Dass der Spieler „freiwillig“ gespielt hat, nimmt diesem Schutz nicht automatisch die Grundlage.
  • Versuche der Anbieter, sich auf Treu und Glauben zu berufen (z.B. „der Spieler wollte ja spielen und Gewinne erzielen“) oder den Spielerschutz gegen den Spieler zu verwenden, hat der OGH bereits in früheren Entscheidungen klar zurückgewiesen.

Der OGH hält außerdem fest, dass das österreichische Konzessionssystem im relevanten Zeitraum mit dem Unionsrecht vereinbar ist. Die wesentlichen unionsrechtlichen Fragen seien bereits geklärt. Aus diesem Grund sah der Gerichtshof keinen Anlass, das Verfahren auszusetzen, um auf die noch ausstehende Entscheidung des EuGH in einer anderen Rechtssache zu warten.

Was bedeutet das Urteil für Spieler in Österreich?

Die Entscheidung stärkt die Position von Spielerinnen und Spielern, die bei nicht in Österreich lizenzierten Online-Anbietern Geld verloren haben. Konkret ergeben sich folgende Chancen und Grenzen:

1. Gute Ausgangslage für Rückforderungen

Wer als in Österreich wohnhafte Person bei einem Online-Casino ohne österreichische Lizenz gespielt und dabei Geld verloren hat, kann seine Einsätze in vielen Fällen zurückverlangen. Die Entscheidung des OGH bestätigt, dass dies keine Ausnahme ist, sondern einer gefestigten Rechtsprechungslinie entspricht.

Besonders relevant ist das für:

  • Online-Casinos mit Sitz in Drittstaaten (z.B. Curaçao, Karibik, Offshore-Staaten)
  • Anbieter, die keine klare österreichische oder EU-Konzession nachweisen können
  • Fälle mit hohen Verlusten in kurzer Zeit, wie im entschiedenen Fall

2. Aber: Durchsetzung im Ausland kann schwierig sein

Ein wesentlicher praktischer Punkt ist die Vollstreckung. Selbst wenn ein österreichisches Gericht den Anbieter zur Rückzahlung verurteilt, ist damit das Geld noch nicht automatisch am Konto des Spielers. Probleme können etwa entstehen, wenn:

  • der Anbieter seinen Sitz in einem Staat hat, mit dem die Vollstreckung österreichischer Urteile schwierig oder gar nicht möglich ist,
  • kaum greifbares Vermögen vorhanden ist oder
  • der Anbieter seine Struktur verschleiert (Zwischengesellschaften, komplizierte Konzernkonstruktionen).

In solchen Fällen muss sorgfältig geprüft werden, ob und wie ein Urteil im Ausland vollstreckt werden kann und welches Kostenrisiko damit verbunden ist.

3. Verteidigungsstrategien der Anbieter

Anbieter versuchen regelmäßig, Rückforderungsansprüche abzuwehren, zum Beispiel mit Argumenten wie:

  • Der Spieler habe „wissentlich und willentlich“ gespielt.
  • Er habe die AGB akzeptiert und sei deshalb an das Spiel gebunden.
  • Die Verluste seien nicht belegbar oder es gebe Unklarheiten in den Transaktionen.

In der Praxis hängt vieles an der Beweislage: Können Zahlungen, Spielverläufe und der Zusammenhang mit dem konkreten Anbieter sauber dokumentiert werden, steigen die Erfolgsaussichten deutlich.

Wie sollten Betroffene jetzt vorgehen?

Wer vermutet, bei einem nicht lizenzierten Online-Glücksspielanbieter Geld verloren zu haben, sollte strukturiert vorgehen. Folgende Schritte haben sich bewährt:

1. Beweise sichern – so vollständig wie möglich

Je besser die Dokumentation, desto einfacher ist die rechtliche Durchsetzung. Wichtig sind insbesondere:

  • Bank- und Kreditkartenabrechnungen: Einzahlungen und Rückzahlungen an den Anbieter.
  • Transaktionsübersichten des Spielerkontos: Einzahlungen, Einsätze, Gewinne, Auszahlungen.
  • Screenshots: Kontoübersichten, Spielverlauf, Anbieter-Website (Impressum, Lizenzen).
  • E-Mail-Verkehr: Registrierung, Bestätigungen, Support-Anfragen, etwaige Sperrungs- oder Beschwerde-E-Mails.

Auch wenn zunächst nicht alle Unterlagen greifbar sind, sollte gesammelt werden, was verfügbar ist. Fehlende Informationen können im Zuge einer rechtlichen Vorgehensweise häufig noch ergänzt oder vom Anbieter eingefordert werden.

2. Anbieter und Lizenzstatus prüfen

Wesentlich ist die Frage, ob der Anbieter eine österreichische Konzession hat. Indizien für ein Problem können sein:

  • Firmensitz in einem Offshore-Staat (z.B. Curaçao, Malta ist differenziert zu prüfen).
  • Keine klare Angabe einer österreichischen oder EU-Konzession auf der Website.
  • AGB und Impressum nur in englischer Sprache, ohne Bezug zu österreichischem Recht.

Eine rechtliche Prüfung kann klären, ob das konkrete Angebot in Österreich überhaupt zulässig war.

3. Verjährungsfristen beachten

Rückforderungsansprüche unterliegen Verjährungsfristen. Die genaue Frist kann vom Einzelfall abhängen (u.a. Art des Anspruchs, Zeitpunkte der Zahlungen, Kenntnis der Rechtslage). Wer zu lange wartet, riskiert, dass an sich berechtigte Forderungen nicht mehr durchsetzbar sind.

Es ist daher wichtig, frühzeitig klären zu lassen, ob und in welchem Umfang Ansprüche noch verfolgbar sind.

4. Rechtliche Beratung in Anspruch nehmen

Durch jahrelange anwaltliche Praxis ist bekannt: Gerade in Fällen mit hohen Verlusten ist eine professionelle Einschätzung unerlässlich. Ein Rechtsanwalt kann:

  • die Erfolgsaussichten im konkreten Fall prüfen,
  • die Beweislage bewerten und gegebenenfalls ergänzen,
  • Ansprüche gegenüber dem Anbieter außergerichtlich und gerichtlich geltend machen,
  • Strategien zur Vollstreckung im Ausland entwickeln und die Kosten/Nutzen-Abwägung vornehmen.

Als erfahrener Rechtsanwalt Wien berät die Kanzlei Pichler umfassend zu Rückforderungsansprüchen gegen Online-Glücksspielanbieter, zur Einschätzung der Erfolgsaussichten und zur Durchsetzung – auch gegenüber ausländischen Betreibern. Wenn Sie betroffen sind, sollten Sie frühzeitig handeln und Ihre Unterlagen prüfen lassen.

Kontaktieren Sie die Pichler Rechtsanwalt GmbH für eine individuelle Beratung:

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